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No 6

  • vor 22 Stunden
  • 2 Min. Lesezeit

Redebeitrag Altmarkt  •  OHNE UNS WIRD ES STILL    •   09.03.2026



Ich war einmal verliebt.


In einen Jungen, der mich nicht zurück lieben konnte.

Man könnte sagen „ Er liebte alle Frauen“ und romantisiert damit sein Verhalten.

Aber der Liebeskummer war nicht das schlimmste daran.


Das schlimmste war mein Blick auf die anderen Frauen.


Ich habe sie als Konkurrentinnen wahrgenommen. Jede Frau abgecheckt und mit mir verglichen. Überbewertet oder abgewertet. Letzteres hat natürlich nichts gebracht, denn schließlich war ich nicht die Auserwählte.


Und genau hier liegt der Hund begraben.

Also grub ich, weil ich, den Verwesungsgeruch nicht mehr verleugnen konnte.


Wenn wir tief genug buddeln, dann finden wir natürlich Antworten auf die Fragen, warum mein Erleben kein Individuelles sondern ein Strukturelles war.

Warum „die Auserwählte“ sein zu wollen aus patriarchaler Logik super viel Sinn macht und warum Konkurrenz unter Frauen ein perfektes Instrument ist, Machtstrukturen aufrecht zu erhalten.


Teile und Herrsche -  kennen wir.

Merken wir nur oft genug nicht.



Wir brauchen nicht weit zurück gehen: erst 1962 konnten Frauen in Deutschland ohne Erlaubnis ihres Ehemannes ein eigenes Konto eröffnen.

Da war meine Oma gerade 19 Jahre alt.


Solange Frauen keinen eigenen Zugang zu Kapital, Karriere oder Macht hatten, war Attraktivität&Schönheit die einzige Ressource, die zählte, um einen Mann zu „bekommen“ -


Schönheit ist damit keine Eitelkeit – sondern eine internalisierte Überlebensstrategie.

Die Frau war jahrundertelang juristisches Eigentum – erst vom Vater, dann vom Mann. In dieser Logik wird klar, dass Frauen um den „besten Besitzer“ konkurrierten.


In der Zwischenzeit wurden Rechte erkämpft und Gegebenheiten verändert und doch scheint unser Körper nicht so schnell hinterher zu kommen.


Es existieren natürlich noch viel zu viele Strukturen für deren Aufbrechen wir heute hier sind - die wirken und wirken tief und verändern sich viel viel zu langsam.


Während gleichzeitig die Überlebensstrategien eben auch tief in unseren Zellen gespeichert sind und die Anpassung mehr Zeit benötigt, als mir/uns lieb ist.


Aber genau deshalb sprechen wir darüber immer wieder und immer wieder, weil Erkennen der erste wichtige Schritt ist:

Seitdem ich erkannt habe, wieviel meiner Energie zuerst in meine romantische Beziehung floss, habe etwas davon abgezwackt und nutze sie für meine Träume und Visionen.

Letztes Jahr ging unsere Freie Alternativschule Lausitz vom WurzelWerk an den Start, 

in meinen Frauenkreisen, in denen ich mit Frauen an Selbstwert, Grenzsetzungsfähigkeit und Wut arbeite , kann ich merken, dass die Wunde der Konkurrenz langsam heilt.


Ich liebe es zu spüren, wie kratftvoll es ist, wenn sich Frauen verbinden, unterstützen und Allianzen schmieden.

Vor zwei Wochen habe ich einer „seiner“ Frauen von damals einen Brief geschrieben.

Ich habe ihr mitgeteilt, wie schlimm und schade ich es fand, sie so wahrgenommen zu haben und sie hart gefeiert, für ihr Sein und ihr Wirken.


Konkurrenz unter Frauen ist kein Charakterfehler, sondern Programm und stehe hier, um neu zu coden.

 
 
 

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